Subpersonalities

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Gast PUproceeder

Dieser Thread soll eine offene Diskussion und Sammlung zum Thema Subpersonalities werden.

Leider konnte ich durch die Forum-Suche keine zufriedenstellenden Beiträge finden, die über Verweise hinausgehen und auch Google hält sich bedeckt, wenn es über die theoretische Beschreibung oder therapeutische Ansätze (z.B. Integration von Persönlichkeitsanteilen in der Gestalt-Therapie) hinausgeht.

Der Übersichtlichkeit halber, versuche ich das Thema auf einzelne Aspekte herunterzubrechen, werde aber sicherlich nicht umhinkommen, Einiges quer zu vernetzen, zu wiederholen oder zu erfragen.

Wichtiges (und meine Fragen) hebe ich hervor, um dem schnellen Leser Mühe zu ersparen und dem Interessierten Orientierung zu geben.

Dieser Thread wird (leider) nicht die nächste große Arbeit über Psychologie und erhebt auch keinerlei wissenschaftlichen Anspruch. Er entstand rein aus Interesse und enthält kein fertiges System zur Anwendung. Selber denken ist also angesagt!

Beiträge zur praktischen Anwendbarkeit der Theorie sind trotzdem willkommen.

Vielmehr möchte ich auf ein interessantes System hinweisen, soweit ich das noch im Kopf habe, und damit Interesse wecken, eine Diskussion starten und in erster Linie ganz eigennützig die Fragen beantwortet bekommen, die ich hier stelle.

Man sollte sich dabei stets vor Augen halten, dass es sich nur um ein Modell handelt, und deshalb nicht allgemeingültig in schwarz/weiß unterschieden werden kann, sondern jeder selbst in die Welt hinausgehen muss um sie zu erfahren. Vielleicht hilft es aber dabei, Erfahrungen einzuordnen und zu einem tieferen Verständnis zu kommen.

Was sind Subpersonalities?

Wikipedia: Subpersonality

Ausführlicherer Blog: Subpersonalities: Definitionen u.a.

Bei dem Modell der Subpersonalities handelt es sich um eine Erklärung sich unterscheidender Denk- und Verhaltensweisen einer Person.

Da Menschen offensichtlich nicht immer gleich handeln (z.B. Abend mit Freunden: "Spaß haben und Risiken eingehen" vs. Aufpassen auf kleine Kinder: "verantwortungsvolles Handeln"), sich aber die Werte nicht ständig ändern, gibt es der Theorie nach Persönlichkeitsanteile oder Unterpersönlichkeiten, die hervortreten und kurzfristig "übernehmen", d.h. dominant sind.

Das "Ich" bedeutet dabei nur den Querschnitt der Unterpersönlichkeiten und die gerade handelnde ist die Ausprägung des Verhaltens. Der Nutzen für die Person liegt darin, dass für festgelegte Sachverhalte schon Handlungsstrategien, Wertvorstellungen und Verhaltensweisen existieren, die nurmehr abgespielt werden müssen. Somit werden Ressourcen gespart. Das ganze System ist aber nicht mechanistisch zu verstehen sondern gibt nur den Rahmen vor.

Durch das Bewusstsein, welche Subpersonality gerade bei einem selbst oder bei anderen die Fäden zieht kann zu einem tieferen Verständnis von Persönlichkeiten sowie Entscheidungsprozessen führen und auch Konflikte erklären helfen. Sowohl interne als auch externe.

Arbeiten mit Subpersonalities:

Hat jeder alle Subpersonalities schon angelegt oder entwickelt sie erst? Gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen insofern Mann z.B. (in Anteilen) "Mutterinstinkt" hat?

Ich tendiere dazu, jedem alle Subpersonalities zuzuordnen, wenngleich manche durch häufigen Gebrauch sicherlich bevorzugt ausgeprägt sind.

Exkurs: Interessant ist auch die Integration von Persönlichkeitsanteilen bei inneren Konflikten in der Gestalttherapie. Die Anteile werden hierbei visualisiert und z.B. auf zwei Stühle gesetzt, wo man sie ausdiskutieren und eine Lösung finden lässt, bevor sie wieder integriert werden. Das kann sehr lustig werden und ganz nebenbei ein gutes Gespür für die Art von Unterpersönlichkeiten geben. Links dazu habe ich gerade keine, aber Google ist Freund und Helfer.

Wann treten diese in Aktion?

Üblicherweise sind die Auslöser für eine Persönlichkeit spezifischen Situationen. Es können aber auch Assoziationen sein, die eigentlich wenig mit der objektive Realität zu tun haben.

Innere Konflikte können entstehen, wenn widerstreitende Unterpersönlichkeiten meinen, die Situation für sich nutzen zu müssen. Außerdem sind die Mechanismen von Mensch zu Mensch anders.

Ein Schema Situation A -> Unterpersönlichkeit B ist damit wenig verlässlich. Jeweils angepasst kann man aber schon so vorgehen.

Wie lassen sich diese erkennen?

Hier kommen wir auch schon zu einem Thema, zu dem ich gerne weitere Beiträge lesen würde.

Bei sich selbst kann man durch nachträgliches Reflektieren und generelles Bewusstsein für seine inneren Prozesse die aktiven Teile ausmachen und damit auch verändern.

Bei Mitmenschen gestaltet sich das schon schwieriger. Offensichtliche, wie total durchgedrehtes Abgehen im Club, sind natürlich einfach zu erkennen. Aber ob jetzt gerade ein ablehnender, ein kritischer oder nur ein abwartender Teil des Gegenübers aktiv ist, lässt sich oft erst im Laufe der weiteren Interaktion sicher bestimmen. Hier ist Menschenkenntnis und ein feines Gespür für das Gegenüber (wird hier oft Kalibrierung genannt) gefragt. Um das zu perfektionieren hilft nur üben, üben, üben und dazu Konzentration auf den Anderen und nicht nur auf sich selbst.

Exkurs: Viel zu oft finden sich Leute, die im Gespräch nur ihren Beitrag "loswerden" wollen und mit ihren Gedanken beschäftigt sind. Dabei wird vom Anderen wenig wahrgenommen, da schon alle Aufmerksamkeit belegt ist. Mal ganz bewusst versuchen sich in den Anderen einzufühlen und nachzufragen ohne selbst mitzuteilen kann hier Wunder wirken. Damit ist nicht gemeint, zu schweigen wie ein Stein, sondern durchaus aktiv nachzufragen, dabei aber das Gespräch fließen zu lassen wohin es will und es nicht mit eigenen Inhalten zu überschwemmen.

Wie lassen sich diese hervorrufen?

"therapeutisch" durch das übliche "Stell dir vor... blabla" (So kann ich welche bei mir selbst hervorrufen. Denke mal, das würde hier im Forum intern als "State"/"Frame" aufgefasst.)

"Verkauf": (z.B. Kundeneinstellung: risikoreich sein, "Sie sind doch auch so ein Typ, der macht was er wirklich will. Vor kurzem erst hat sich einer meiner Kunden, der beruflich auch sehr erfolgreich ist, für dieses Objekt entschieden. Er meinte: 'Scheiß drauf, ich will das jetzt haben, auch wenn ich's nur bedingt zum bloßen Überleben brauche.' ")

"Verführung" (z.B. in stressiger, angespannter Situation "romantischen" und "gelassenen" Zustand schaffen. Aufmerksamkeit auf passende Dinge lenken: "Schau mal, diese schöne Nische da. Total ruhig. Da kann man bestimmt entspannt sitzen. So habe ich damals auch meine erste große Liebe kennengelernt...")

Fazit: therapeutisch wirkt auf mich aufgesetzt/unpassend für den Alltag und Mitmenschen. Generell hätte ich gerne eine Herangehensweise, die subtil ist und weniger über die Wortwahl und mehr über den non-verbalen Teil läuft. Das soll kein fertiges Muster sein sondern eher eine Idee samt einigen Beispielen. So sind auch obige Beispiele eher plump und ich würde sie selbst so kaum verwenden.

Sonst durch

- Wortwahl,

- Themenwahl,

- Ortauswahl (Bsp. bei Dates),

- Verhalten = selbst die gewünschte Subpersonality agieren lassen, um gleiche hervorzurufen (-> Eure Meinung?)

- Rollenerwartungen verbalisieren: Probanden versuchen Autoritäten zu gehorchen (siehe Milgram-Experiment u.a.) bzw. generell Anforderungen zu erfüllen? Das heißt dann im Slang wohl "in den Frame ziehen", geht aber meiner Meinung nach noch darüber hinaus.

Wie geht ihr mit Subpersonalities um, gegen deren Auftritt Widerstand besteht? Manchmal ist der ja sinnvoll für die innere Ökologie desjenigen, manchmal könnten aber auch mehr Optionen geschaffen werden.

Beispiel: Ein guter Freund von mir, der in Konfliktsituationen oft das "beleidigte Kind" hervorholt und dann Doublebinds setzt à la "Ich stimme dir zu", mit einer abweisenden Mimik. Ich denke, es könnte ihm helfen, sowas wie den "souveränen Diplomaten" zu nutzen, den er an anderer Stelle erfolgreich einbringt. Die Ressourcen sind also vorhanden. Ich empfinde es aber fehl am Platz, in einer freundschaftlichen Beziehung plötzlich mit therapeutischem Kontext zu kommen, da erstens kein Auftrag vorliegt und zweitens die Beziehungsebenen -Freund und -Therapeut nicht zueinander passen. Deswegen scheint es mir sinnvoll, in solchen Situationen unbewusst eine andere Subpersonality zu triggern. Dann findet er vermutlich nach einigen Malen automatisch in ein neues Muster, sofern es gewinnbringend für ihn ist. Es wäre also mit minimalen Eingriffen/Manipulation eine maximale Änderung erreicht, die immer noch seiner unbewussten Kontrolle unterliegt.

Inwiefern durch Wertehierarchie beeinflusst?

Wenn Geld=negativ geprägt, ist dann der "feilschende Kaufmann" trotzdem herauszulocken (oder zu erzwingen)?

Angenommene Verhörsituation: Kann eine "Verräter"-Persönlichkeit erzwungen werden? Oder ginge man den Umweg über "ehrliche"/"helfende" Persönlichkeitsanteile?

Wie schätzt ihr die Autonomie des Individuums ein? Ab wann wird Manipulation (nicht negativ gemeint, kann ja positiv gebraucht werden im Sinne "Verlasse deine Mitmenschen besser als du sie vorgefunden hast") erkannt? Wie abgewehrt? Wie geht das? Über Achtsamkeit über eigene Gedanken? Spielt Backgroundwissen/Übung in psych. Techniken/Coaching/NLP ein Rolle?

Meine Meinung ist, dass die Werte über den Subpersonalities stehen und sich daher auch auf alle auswirken. Meine Erfahrung lehrt mich aber, dass die Stärke je nach Subpersonality variiert. Oft scheint es aber einfacher zu sein, das gewünschte Verhalten über einen Umweg so zu präsentieren, dass es als positiv aufgenommen wird und damit nicht gegen den Widerstand kämpfen muss.

Generell wird viel über die Art und das Bewusstwerden geschrieben, auch über die interne Konfliktlösung, die ich schon live am Klienten mit verfolgen konnte, aber eben nicht über den gezielten Einsatz (u.a. Nutzen für den Verführer (das, worauf 98% hier jetzt hinauswollen :-D) dieser Persönlichkeitsanteile. Wenn doch, dann vage und nur bei sich selbst. Dabei bin ich mir sicher, dass es z.B. im Training sehr sinnvoll wäre gezielt, insbesondere auch ohne das Wissen des Klienten, Veränderungen (temporär!, dauerhaft lässt sich wohl kaum ein Teil "nach vorne holen"??? evtl. dauerhaft verstärken?) zu bewirken.

Soweit meine Gedanken. Ich hoffe, dass nachzuvollziehen ist, worauf ich hinauswill (Sofern ich das überhaupt selbst weiß) und dass jemand Ahnung auf dem Gebiet hat und auch so nett ist, Licht ins Dunkel zu bringen.

Gerne dürfen auch ethische Aspekte diskutiert werden (Inwiefern ist Manipulation möglich; wann gerechtfertigt?), sofern nicht wieder ausschließlich darauf herumgeritten wird. Damit werde ich im Studium schon genug traktiert. ;-)

Wenn einige, von mir geschätzten, User aus dem Psych./NLP- und Inner Game-Bereich ihre Meinungen teilen möchten, würde mich das außerordentlich erfreuen. Alle anderen sind natürlich auch herzlich eingeladen zu lesen, zu antworten und durch gute Fragen das Thema zu vertiefen.

Vielen Dank!

Mit freundlichem Gruße,

me, myself and I ;-)

bearbeitet von PUproceeder

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