Gefühle und Gedanken - Eine kleine Reflektion

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Gast Peer Vormäntz

Hey Leute,

ich habe gerade einen Post in einem anderen Forum verfasst, den ich auch mit euch teilen möchte, da er mMn ganz gut geworden ist, und vielleicht auch hier den ein oder anderen zum Nachdenken anregt.

War unschlüssig ob das hierher oder in PD gehört, denke aber aufgrund der inhaltlichen Herangehensweise eher in der NLP-Ecke aufgehoben.

Viel Spaß beim Lesen; Wer sich über den Inhalt austauschen möchte ist willkommen.

[...]

ich finde den ansatz gut, gefühle möglichst nicht als GUT und SCHLECHT zu beurteilen, sondern sie alle willkommen zu heißen.

gefühl bedeutet für mich aber vor allem: was löst ein bestimmter gedanke in meinem körper aus?

Jedes Gefühl willkommen heißen ist tatsächlich ein guter Ansatz.

Dazu habe ich folgendes zu sagen:

Du schreibst, es seien Gedanken, die bei dir etwas auslösen. Aber ich finde, das ist nicht weit genug gedacht. Ich glaube, es sind in erster Linie Situationen, die bei uns Empfindungen hervorrufen. Z.B. Ein Kuss mit einem Menschen in den man verliebt ist, eine lebensgefährliche Situation oder der freie Fall beim Achterbahnfahren. Hier ist kein Gedanke nötig, um ein Gefühl dabei zu erleben. Gewissermaßen sind das Ur-Gefühle in Ur-Gefühl auslösenden Situationen. Sie werden immer in etwa so vorhanden sein. Vielleicht nicht immer so stark, wie beim ersten Mal als man die Situation erlebt hat, jedoch niemals ganz verschwunden.

Dann gibt es Gefühle durch Projektion, ergo Gefühle durch Gedanken. Diese Zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht aufgrund einer tatsächlich erlebten Situation auftreten, sondern durch die Vorstellung einer Situation. Wenn ich mir nun also vorstelle, wie ich einen Menschen, in den ich verliebt bin küsse, so werde ich das Gefühl, was ich dabei auch in der Realität habe, ebenfalls verspüren. Wenn auch vielleicht nicht in absolut identischer Weise, das kommt sicher auch auf die Lebhaftigkeit der Phantasie an. Funktionieren tut das sowohl in Richtung Vergangenheit (Erinnerung), als auch in Richtung Zukunft.

Dann gibt es noch "lenkende" Gefühle. Sie steuern uns gewissermaßen. Sie entstehen meiner Meinung nach durch Projektion der Gefühle in einer projizierten Situation. Verschachtelte Vorstellung sozusagen. Hier kommt dann auch Konditionierung ins Spiel. Wenn ich mir z.B. vorstelle, wie ich einen Menschen in den ich verliebt bin Küsse, so projiziere ich dabei auch das dabei empfundene Ur-Gefühl. Dieses ist für mich positiv assoziiert, also induziert der Verstand ein Gefühl, dass mich dahingehend lenken soll, dieses Gefühl erneut zu erleben. So werde ich z.B. Sehnsucht empfinden, oder auch Vorfreude auf das Wiedersehen.

Umgekehrt funktioniert das auch. Beispiel: Ich steige in einen vollen Bus ein und sehe eine Wahnsinns-Frau. Nun läuft in meinem Kopf schon ein Film ab, in dem ich sie anspreche. Sie gibt mir einen heftigen Korb (Abweisung => Enttäuschung (die Wiederrum aus Projektion, also hier aus projizierter Projektion, entsteht, da einer Enttäuschung erst eine Erwartung, eine Hoffnung, also eine Vorstellung darüber, wie es sein sollte, vorausgeht), und der ganze Bus wird über mich lachen (imaginäre worst-case Annahme. Mein sozialer Ruf nähme dadurch Schaden (was natürlich auch wieder einer weitergehenden Projektion entspringt), was, so projiziert mein Gehirn, mir selbst (die Selbstvorstellung entspringt ebenfalls, wie ich in meinem anderen Post schon schrieb, einer Projektion des Verstandes) und meinen "Überlebenschancen" schadet), usw. usw. All dieser "Schaden" ist für mich negativ assoziiert. Letztlich wird mein Verstand deshalb dann ein Gefühl induzieren, dass mich von diesem "schädlichen Handeln" fernhalten soll. Nämlich Angst davor, sie anzusprechen. Hier sieht man auch, zu welch mächtigen und umfassenden "Simulationen" unser Gehirn fähig ist, denn jeder Blick, jedes Wort, und die Auswirkungen davon (und dann wieder die daraus resultierenden Prokektionen) werden durchgespielt. Letztlich bleibt all das aber Hirnwichserei.

Durch Änderung unserer Glaubenssätze, also unsere Assoziationen zu Situationen und auch unsere "projizierten Folgeereignisse", können wir die "lenkenden Emotionen", die wir in einer Situation empfinden, ändern. Deshalb sprechen manche z.B. die Frau im Bus an, und manche nicht. Leider, dass wird jeder feststellen können, schießt unser Verstand, in guter Absicht uns vor Schaden zu bewahren, oft über das Ziel hinaus und hält uns von gewinnbringenden Situationen fern, schränkt uns letztlich damit also eher ein.

Was passiert nun, wenn man WIRKLICH, wie gerne an vielen Ecken erzählt wird, jedes Gefühl willkommen heißt, also so wie es ist akzeptiert, und das nicht nur so dahersagt?

Nun, erst einmal heißt das, ich löse bis zu einem gewissen Grad die Identifikation mit meinem Verstand, nämlich mit meinen bisher programmierten Assoziationen. Statt in gut und schlecht zu unterteilen, sage ich auf einmal: Alles, was ich empfinde, ist gut. Und damit sage ich auch: Alles, was ich erlebe, ist gut. Ich beende also die Spaltung. Ich könnte auch sagen: Alles, was ich empfinde ist schlecht, und somit alles ablehnen. Das funktioniert im Endeffekt genauso, nur ist die Umsetzung viel schwieriger, da ich damit den inneren Widerstand gegen Gefühle noch verstärke, und damit letztlich gegen Windmühlen kämpfe. Denn wenn ich denke, dass ich nicht denken soll, ... ;)

Wie dem auch sei. Jedes Gefühl sei also gut. Dann passiert etwas Interessantes, und das können viele Menschen nicht verstehen, weil ihr Verstand es sich nicht vorstellen kann (es liegt außerhalb der programmierten Glaubenssätze, weshalb der Verstand es eben nicht projizieren kann ... er ist noch eingeengt von sich selbst).

Was passiert ist nämlich, dass sich schlechte Gefühle schlicht auflösen. Warum ist das so? Das ist eigentlich ganz einfach. "Negative" Gefühle, also Gefühle mit denen wir uns schlecht fühlen, wie z.B. Trauer, Hass, oder Eifersucht, beziehen ihre Kraft eben aus besagter Negativität ... nämlich aus der Negativität unserer Assoziationen zu ihnen. Genauer gesagt, aus dem Widerstand gegen Negativität. Sie sind keine Ur-Gefühle, sondern "lenkende" Gefühle, bzw. sie entspringen sogar erst selbst als lenkendes Gefühl aus lenkenden Gefühlen. Nun fallen auf einmal negative Assoziationen weg, denn wenn ich alles willkommen heiße, ist nichts mehr negativ. Dementsprechend verlieren sie ihre Kraft, ja lösen sich sogar völlig auf und existieren nicht. Denn wo nichts negatives ist, verspüren wir auch keinen Widerstand dagegen. Dass "Negativität" an sich schon wieder ein ganz individuell über Glaubenssätze definierter Begriff ist, brauche ich, so denke ich, an dieser Stelle nicht mehr erwähnen.

Man kann nun noch aber noch weiter gehen, und Gefühle tatsächlich garnicht mehr werten, also nicht alles willkommen heißen, sondern alles nur noch sein lassen. Wertneutral. Das ist zunächst aber viel schwieriger, dann dazu muss man erst lernen, überhaupt nicht mehr zu werten ... sprich sich vollständig von der Identifikation mit Glaubenssätzen und Gedanken lösen, meine Vorstellung von Positiv und Negativ, Gut und Schlecht, etc. über Bord werfen. Dann lösen sich sogar alle lenkenden Emotionen auf, und es verbleiben nur noch die Ur-Gefühle.

Heiße ich alles willkommen, so werte ich weiterhin, nur eben nicht mehr negativ. Doch ich bin immer noch abhängig von Wertungen des Verstandes. Allerdings, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen, kann dieses "alles als gut Annehmen" dazu führen, dass man den Einfluss es Verstandes besser erkennt, und sich dann wieder ein Stück mehr davon freimachen kann.

Ein ganz interessanter Aspekt ist, dass mit der Freiheit vom Verstand, auch die Freiheit DES Verstandes wächst. Denn löst man sich von Wertungen, so lösen sich Wertungen auch im Verstand auf ... und eine Vorstellung, gegen die man sich vorher gesträubt hat, wirkt auf einmal nicht mehr so schrecklich. Man beginnt dann, mit Vorstellungen "spielen" zu können, den Verstand als mächtiges Werkzeug zu nutzen, um die Dinge in allen Farben und Facetten zu beleuchten. Aber dazu muss man ihn eben auch erstmal als ein solches Werkzeug erkennen.

Aus der Sicht des Hammers, ohne zu wissen was und wie man ist, kriege ich den Nagel nicht in die Wand. Erst wenn ich meine Sichtweise löse ... einen Meter aus der "Hammer-Sicht" heraustrete und die Situation distanziert und dissoziiert betrachte, kann ich die Zusammenhänge erkennen.

ich persönlich bin nicht unbedingt der meinung, dass man sich entscheiden kann oder sollte, ein leben ohne schmerz, trauer usw zu führen

Ob man das will, ist jedem selbst überlassen. Die Freiheit, diese Entscheidung überhaupt frei treffen zu können (eigentlich impliziert eine "Entscheidung für mich schon das "frei", denn eine Entscheidung setzt für mich Wahlfreiheit voraus) muss man jedoch erst erlangen. Die Voraussetzungen und die Mittel dazu, diese Wahlfreiheit zu haben, sind mMn grundsätzlich jedem einzelnen Menschen gegeben. Bevor ich mich also für oder gegen Schmerz, Trauer, usw. entscheiden kann, muss ich ganz am Anfang zunächst erstmal dahingehend eine Entscheidung treffen, ob ich diese Entscheidung überhaupt treffen können will.

Grüße,

Ali Mente

Edit: Ich möchte noch darauf hinweisen, dass das was ich schreibe sich nicht mit irgendwelchen wissenschaftlichen oder spirituellen Erkenntnissen anderer decken muss, denn es entspringt meinen eigenen Erkenntnissen und der Reflektion über mich.

bearbeitet von Ali Mente
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